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                    Aktivitäten

 

                Ich bin Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stifung, 
                Mitglied der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft, 
                der Deutschen  Vereinigung für Parlamentsfragen und des
                                           
                Deutschen Alpenvereins - Sektion Siegburg

                         Pic des Spijeoles 3065 m - Luchonais - 11. 9. 2002                 

                                    

Warum nicht auf die Spijeoles ?

Die Sache begann mit einer Enttäuschung: Ursprünglich wollte ich den Pic d´Aneto, den höchsten Berg der Pyrenäen, besteigen, weil die Besteigung des höchsten Punkts in einem Gebirge immer als alpinistische Leistung gilt. Die hierzu notwendige Hütte verfügte aber wegen Umbauarbeiten statt der angegebenen 110 Plätze nur über 35, die auf Tage hinaus ausgebucht waren. Das gegenwärtige Grundübel des Bergsteigens wurde mir wieder einmal deutlich bewußt: Immer mehr Leute steigen auf immer weniger Gipfel. Tags darauf  entdeckte ich im Badeort Luchon  auf einer Ansichtskarte eine breite Granitpyramide, die sich in einem See spiegelte. >Pic des Spijeoles 3065 m< stand auf der Karte, die bei jedem Bergsteiger den spontanen Wunsch hervorrufen musste: >Da müsste man ´mal hinauf<.

Ich erinnerte mich, den seltsamen Namen schon einmal gelesen zu haben und vertiefte mich im Quartier in Karte und Führer. Der Normalweg schien bis auf eine Schlüsselstelle nicht besonders schwierig und im Alleingang machbar zu sein. Da gutes Wetter vorausgesagt war, stieg ich am folgenden Tag zur Espingo-Hütte auf. Der Weg führte zunächst zum Lac d´Oô, einem See, der von einem 200 Meter hohen Wasserfall und zahlreichen in der Sonne glitzernden Bächen gespeist wird. Man staunt, wie viele Touristen die 400 Höhenmeter bis hierhin schaffen. Das am Seeufer liegende >Refuge, Restaurant, Bar< verspricht allerdings auch Bier vom Fass - ein in Südfrankreich eher seltener Genuss.

Nach einer weiteren Stunde war ich bei der Hütte, die auf 1967 Meter über einem Talkessel mit zwei großen Seen liegt. Obwohl neben einer Handvoll Bergsteiger auch eine Jugendgruppe anwesend war, verlief die Nacht ruhig. Das Frühstück war dagegen – wie meist in Frankreich – etwas spärlich. Um 7.30 Uhr startete ich in kühler Morgenluft. Zunächst ging es fast eben an den beiden Seen vorbei, dann rechts steil bergan, über Gras und Felsbänder. Die Spitzen der Spijeoles leuchteten bereits im Sonnenlicht. Kurz vor dem anschließenden Geröllfeld holten mich zwei Spanier mit Klettergurten und Seilen auf den Rucksäcken ein. Als sie erklärten, auch auf die Spijeoles steigen zu wollen, rutschte mein Herz Richtung Hosentaschen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde aber klar, dass sie die mächtige Ostwand durchsteigen wollten. Ich war wieder erleichtert.

Gegen 10.30 Uhr erreichte ich den etwa 2700 m hohen Pass und blickte auf zwei tiefblaue Seen hinab, die von einer Halskrause aus Schnee umgeben waren. Statt Vegetation beherrschten nun Granitwände, Wasser, große Blöcke und Schotter die Landschaft. 200 Meter höher kam dann für mich die Stunde der Wahrheit: Es galt einen Kamin zu durchsteigen, den Monsieur Véron in seinem klugen Führer mit dem Schwierigkeitsgrad 2 bezeichnet. Beim Gedanken an meine bescheidenen Kletterkünste am Stenzelberg wurde mir etwas flau im Magen, und auch das französische Frühstück machte sich negativ bemerkbar. Ich holte intuitiv ein Schinkenbrot aus meinem Essbeutel. Schließlich war ich von der Hütte aus schon 1000 Höhenmeter aufgestiegen.

Da am Himmel keine Geier zu sehen waren, nahm ich die Schlüsselstelle in Angriff. Zunächst fand ich guten Halt im rauen Granitgestein. Mit zunehmender Kaminhöhe wurden die Felsen aber ziemlich griffarm. Mit einer gewagten Gewichtsverlagerung zog ich Oberkörper und Rucksack unter einem Überhang durch. Noch wenige Meter Kletterei, und ich hatte das Geröllfeld unter dem Gipfel erreicht, wo zu meiner Überraschung ein Mann saß und durch sein Fernrohr die Landschaft betrachtete. Er hatte auf 3000 m im Zelt übernachtet, um Gämsen und andere Tiere besser beobachten zu können. Eine weitere Überraschung war die abweisende Gipfelwand von gut 60 Metern Höhe, die sich vor mir aufbaute. Hatte sich Monsieur Véron einen Scherz erlaubt, als er schrieb: >Man quert nach links und erreicht den Gipfel in drei Minuten<? Ich fand aber tatsächlich eine durch Steinmännchen bezeichnete Rinne, die in leichter Kletterei quer durch die Wand zum Gipfel führte, den ich gegen 11.30 Uhr erreichte. Monsieur Véron war von der zweifellos richtigen Überlegung ausgegangen: Wer den Kamin schafft, schafft auch den Gipfelanstieg ohne weitere Instruktion.

Den Gipfel hatte ich für mich allein, denn die beiden Spanier waren offenbar noch >bei der Arbeit<. Um mich herum baute sich das typische Pyrenäenpanorama auf: Man ist wirklich oben und sieht die zarten Wolken über den Gipfeln. Im Westen zeigten sich Vignemale und Mont Perdu, im  Nordwesten war die Telecomstation auf dem Pic du Midi de Bigorre deutlich zu erkennen, aber noch immer zu schwach für´s Handy. Südöstlich glänzten die Gletscher des Pic d´Aneto, dem man vielleicht doch besser mit Tourenskiern zu Leibe rückt.

Der Abstieg fiel nach dem Erfolgserlebnis leicht, obwohl noch fast 2000 Höhenmeter bis zum Parkplatz zu überwinden waren. Im gefürchteten Kamin entdeckte ich von oben noch einen zusätzlichen Tritt, der die kritischste Stelle entschärfte. Ein kurzes Bad im See auf 1921 m trug zur körperlichen Regeneration bei. Den Tag beschloss ich mit einigen Gläsern Jurançon – dem besten Schlafmittel, das dortzulande im Handel ist.

Neben dem Pic des Spijeoles habe ich im September höhere und niedrigere Pyrenäenberge bestiegen oder erwandert. Hierzu gehörte auch der Pic Perdiguère, der als höchster der Kette um Luchon stärker besucht war. Die >Spijeoles< sind jedoch weitaus interessanter, weil ihr Anstieg durch alle Etagen der Pyrenäenlandschaft verläuft. Wann kann man schon einmal sagen: >Herrlichen Berg bestiegen und nur drei Leute getroffen<? Vielleicht gelang mir ja sogar eine DAV-Erstbesteigung, zumindest für die Sektion Siegburg ( Der Rucksack - Informationen über die Sektion Siegburg des DAV 1/2003).

 

Skitourenwoche im Safiental vom 11. bis 18. Februar 2006

Graubünden in der Schweiz ist das Land großer Skistationen. Klosters, Davos, Arosa, Flims, Pontresina und St. Moritz bieten dem Abfahrer den leichten Weg nach oben – auch in der Preisgestaltung seines Urlaubs. Da der Kanton aber mehr als tausend Täler hat, bleiben immer noch viele Gebiete vom technischen Wintertourismus unberührt. Hierzu gehört auch das Ziel unserer Sektionstour im Februar 2006, das Safiental, wo sich abends Tourengeher, Langläufer und Eiskletterer „Gute Nacht!" sagen.

Weshalb das so ist, wurde uns schon bei der Anreise klar: Nachdem wir die Autobahn verlassen hatten, sahen wir auf der rechten Seite mehrere hundert Meter tiefer den Rhein und die rätische Eisenbahn. Nach dem Abbiegen ins Safiental lag der Abgrund zur Linken, die Straße wurde noch enger und war inzwischen mit Schnee bedeckt. Alle neun Teilnehmer waren jedenfalls froh, als sie in der gemütlichen Stube im 1700 m hoch gelegenen Turrahus saßen und das erste Abenteuer der Tour überstanden hatten.

Am nächsten Morgen präsentierte sich das Safiental bei klarem Himmel. Nach Osten hin war alles felsig und im Winter allenfalls für Wasserfallkletterer interessant. Nach Westen und Süden führten lange Pulverschneehänge bis fast 3000m hinauf. Unsere beiden Führer, Klaus und Rudi, hatten wieder ein Gebiet ausgesucht, wo der Genuss der Abfahrt die Mühe des Aufstiegs vergessen lässt. Bei der Eingehtour auf das Strätscherhorn mit immerhin 850 Höhenmetern zeigten alle Teilnehmer gute Kondition und annähernd gleich gutes Abfahrverhalten. Am nächsten Tag ging es auf den „Skiberg", der auf der Landeskarte nur als Punkt 2704,8 vermerkt ist. Auf der Abfahrt offenbarte der pulverige Schnee erstmals seine Tücken: Da es bis dahin offenbar keinen Wärmeeinbruch im Safiental gegeben hatte, blieb der Schnee ohne Bindung und Zwischenschichten. Nach einem Sturz stand man bis zum Bauch im Pulver und kam oft nur mit Kameradenhilfe wieder auf die Skier. Michael verletzte sich bei einer dieser Rettungsaktionen die Hand an der Stahlkante und musste mit einem Stock weiterfahren. Dies blieb aber glücklicherweise der einzige Unfall der Tourenwoche.

Da am dritten Tag immer noch gutes Wetter herrschte, nahmen wir mit dem Piz Tomül den mit 2946 m höchsten Gipfel des Tourengebiets in Angriff. Nach dem Abmarsch bei minus 12 Grad wurde uns schnell warm. Über die Hänge direkt oberhalb des Turrahus erreichten wir den breiten Südgrat und folgten ihm bis zum Skidepot. Die letzten 50 Meter gingen wir schwer atmend zu Fuß, denn die 1300 Höhenmeter des Aufstiegs machten sich inzwischen bemerkbar. Die Aussicht vom felsigen Gipfel ließ alle Anstrengungen vergessen: Nach Westen ging der Blick bis zu den Berner Alpen, im Norden sahen wir Oberalpstock und Tödi, tief unter uns lag das bekannte Thermalbad Vals. Beim Blick auf das Talende konnten wir erkennen, weshalb unsere Herberge immer angenehm beheizt war. Der große Stausee von Zervreila liefert im Tausch gegen die Wasserrechte preiswerte Elektrizität. Bei der Abfahrt wählten wir den direkten Weg durch den Osthang. Der grundlose Pulverschnee verursachte auch diesmal einige Tauchversuche. Karlheinz zeichnete sich dabei besonders aus, weil er vergessen hatte, seine Schuhe auf Abfahrt umzustellen. Apfelstrudel und Weizenbier brachten uns im Turrahus die verbrauchte Energie sofort zurück.

Da der Mittwoch uns mit Schneefall uns schlechter Sicht begrüßte, legten wir eine Lawinenübung ein und testeten die neuen digitalen Suchgeräte der Sektion. Sie sind einfacher zu bedienen als die alten Modelle und ermöglichen das Auffinden mehrerer Verschütteter. Die „Punktortung" mit der Sonde war so exakt, dass Rudis vergrabener Rucksack mehrere Löcher davontrug. Da auch der nächste Tag bei Schneeschauern keine große Tour gestattete, fuhren wir im Tal ein Stück zurück und stiegen etwa drei Stunden in Richtung Camaner Grad auf. Unterhalb des Grates machten wir wegen der Lawinengefahr kehrt und hatten noch eine schöne Abfahrt bei halbwegs guter Sicht. Da das Wetter am letzten Tourentag wieder besser war, nahmen wir uns das Tällihorn vor - mit 2855 m der zweite „fast Dreitausender" unserer Tourenwoche. Nach einem kurzen Abstieg in eine Mulde erreichten wir den Gipfel über den Südgrat. Die Sicht war wegen einiger Nebelschwaden nicht so klar wie vom Piz Tomül, aber einige Gipfel des Engadins und der Silvretta konnten wir gut erkennen. Bei der Abfahrt mussten wir zunächst auf einige Felsen achten. Anschließend sorgten die traumhaften Hänge bis vor die Hütte für einen furiosen Abschluss der Tourenwoche. Am letzten Abend servierte uns der Wirt nicht nur das stets vorzügliche Abendessen, sondern auch einen Gratis-Wein aus seinem Sortiment. Wir wählten einen Rheinwein aus Graubünden - einen roten Maienfelder, der im nördlichen Zipfel des Kantons auf dem rechten Ufer wächst. (Der Rucksack - Informationen über die Sektion Siegburg des DAV 4/2006).